Urnengrabfeld

Unsere Gesellschaft ist im Wandel – auch was das Bestattungswesen angeht. Das ist auch auf unseren Friedhöfen sichtbar. Die althergebrachten Grabformen werden nur noch zum Teil nachgefragt, dafür gewinnen Urnengräber und anonyme Sammelgräber an Bedeutung. Nach Ablauf der Nutzungsdauer werden viele Gräber aufgegeben.

Unsere Gesellschaft wird zusehends mobiler. Die traditionelle Familie am Wohn- und Geburtsort findet nicht mehr statt. Durch die Mobilität wachsen die Entfernungen zu den Gräbern der Familien. Verständlicherweise kommen die Menschen ins Überlegen, ob für diese Situation ein Familiengrab die richtige Lösung ist.

 

Über Jahrhunderte hat unsere christlich geprägt Kultur die Erdbestattung des Leichnams bewahrt. Mittlerweile halten sich deutschlandweit Erd- und Feuerbestattung die Waage.  Damit das Kulturgut „Friedhof“ - bislang ein fester Bestandteil unserer Geschichte und heiliger Ort - auch ein solcher Ort bleibt, muss es sich den Anforderungen der Zeit stellen. Die Umgestaltung eines Friedhofs erfordert langen Atem. Erst nach Jahren oder Jahrzehnten kann ein freiwerdendes Gräberfeld aufgegeben  werden und eine neue Nutzung erhalten.

Mit der Neugestaltung des Friedhofs Wannbach wurde vor 14 Jahren der Grundstein gelegt, um dem Wandel im Bestattungswesen Rechnung tragen zu können.  Auf einem Teil der damals neu geschaffenen Freifläche  konnte in diesem Sommer die im Kirchenvorstand beschlossene Anlage einen Urnengrabfelds umgesetzt werden.

Bewusst hat sich der Kirchenvorstand  gegen eine Urnenwand, sondern für ein Grabfeld mit Einzel- und Gemeinschaftsgrabflächen entschieden.

Zur Konzeption,  die federführend vom Vertrauensmann Hermann Grünsteudel erarbeitet wurde, führt dieser aus:

 „Bei der Gestaltung des Feldes hatte ich die Blüte einer Blume, z.B. einer Rose oder Tulpe, vor meinem geistigen Auge.

Eingerahmt von den äußeren Blütenblättern (bei uns eine Buchshecke) sind im inneren des Feldes in Kelchform die Grabreihen angeordnet. Die durch Naturpflaster eingegrenzten Grabstellen können jeweils bis zu zwei bzw. vier Urnen aufnehmen.  Im Zentrum der Anlage (dort wo bei der Pflanze der Stempel sitzt, aus dem sich die Frucht bildet) steht eine Stele, die den Blick auf sich zieht.

Unter dem eingemeiselten Relief der aufgehenden Sonne, die hinter den Bergen hervor kommt, findet sich als zentrale Aussage der Spruch von Augustinus:

„Auferstehung ist unser Glaube, Wiedersehen unsere Hoffnung, Gedenken unsere Liebe.“

Vor dem Hintergrund, dass unser Friedhof allen offen steht und als Zeichen der Toleranz anderen Religionsgemeinschaften gegenüber, hat der Kirchenvorstand mit Bedacht kein Zitat aus der Bibel gewählt.“

In dem Beet um die Stele herum finden in einer  Gemeinschaftsgrabanlage neun Urnen Platz. Die Pflege erfolgt über die Friedhofsverwaltung. An den Urnenplätzen können Namensschilder angebracht  werden. Die übrigen Grabfelder können individuell mit Grabstein, -platte versehen und bepflanzt werden.

Die in Überarbeitung befindliche Friedhofsordnung sieht vor, dass ausschließlich Urnen aus biologisch abbaubaren Material verwendet werden dürfen. Bei den Urnenreihengräbern, die als Einzel- bzw. Doppelgrab oder Familiengrabstätte vergeben werden, wird es Einschränkungen hinsichtlich der Größe der Grabmäler geben, damit in der Anlage insgesamt ein harmonisches Gesamtbild entsteht. Es ist vorgesehen für Urnengräber eine Ruhezeit von 15 Jahren vorzusehen.

Das Bestattungswesen ist eine kommunale Angelegenheit. Der Friedhof Wannbach wird von der evangelischen Kirchengemeinde getragen. Nach den landeskirchlichen Vorschriften müssen sich Einnahmen und Ausgaben für Friedhöfe decken. Die Finanzierung erfolgt also ausschließlich über Gebühren und Spenden.  Landeskirchliche Zuschüsse werden nicht gewährt.

Um die Gebühren in einem erträglichen Rahmen zu halten, haben wir bei unserer Baumaßnahme wieder auf die ehrenamtliche Unterstützung unserer Gemeindeglieder gesetzt. Allen, die uns geholfen und mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben, sei an dieser Stelle recht herzlich gedankt.

Ihr Beitrag dient dazu, dass der Friedhof „Kulturgut“ bleibt und nicht zum Kostenfaktor wird. So konnten wir mit Ausgaben von knapp siebentausend Euro hoffentlich einen Ort schaffen,  der nicht nur Angehörige der Verstorbenen hilft ihre Trauer zu verarbeiten, sondern auch anderen - die Ruhe und das grüne Umfeld schätzen – Raum für Begegnungen bietet. Entsprechende Sitzgelegenheiten hierzu sind in unseren Planungen noch vorgesehen. 

Mit einem Gottesdienst am Sonntag, den 16. Oktober 2016 um 10.15 Uhr, soll das Urnengrabfeld seiner Bestimmung übergeben werden. Es ergeht herzliche Einladung.